Göttingen.Sozial

Göttingen.Sozial ist eine Topografie der Göttinger Sozialgeschichte. Am Beispiel von Orten des städtischen Zusammenlebens werden gesellschaftliche Konflikte und Chancen vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert beschrieben. Manche der Orte sind heute überbaut (Haus des Frauenvereins), einzelne noch schemenhaft zu erkennnen (die Umrisse der Hütten von Klein-Paris an der Stadtmauer), einige sind stadtbekannt (Accouchierhaus) und andere liegen in versteckten Seitengassen (Alt-Bethlehem).

Stadtplan und ArtikelübersichtGoe

Accouchierhaus Alt-Betlehem Armen-Arbeitshaus Kriegsgefangenenlager Frauenverein Garnison Grätzelhaus Herberge zur Heimat Konsumverein Lokhalle Polizeiwache/Gefängnis Prostitution Städtische Mädchenschule Hüttensiedlung/Turmstaße Katholisches Viertel/Turmstraße Universitäts-Waisenhaus Volksheim Accouchierhaus Alt-Betlehem Armen-Arbeitshaus Kriegsgefangenenlager Frauenverein Garnison Grätzelhaus Herberge zur Heimat Konsumverein Lokhalle Polizeiwache/Gefängnis Prostitution Städtische Mädchenschule Hüttensiedlung/Turmstaße Katholisches Viertel/Turmstraße Universitäts-Waisenhaus Volksheim

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Zusammen ergibt dieses Mosaik von 17 historischen Orten eine „kleine Göttinger Sozialgeschichte“ vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Der Schwerpunkt liegt auf sozialen Einrichtungen, auf dem Alltag und den Problemen der „kleinen Leute“, die auch den Großteil der Göttinger/innen in dieser Zeit ausmachten. Die Universität, die Garnison, die Handwerkerschaft und einzelne Manufakturen prägten Göttingen bis weit ins 19. Jahrhundert. Danach kamen erste Industriebetriebe und die Eisenbahn hinzu. Seit Gründung der Universität 1737 wuchs Göttingens Bevölkerung langsam auf 8.500 (1756). Nach einem starken Rückgang im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) auf 5.997 stieg die Einwohnerzahl kontinuierlich auf 11.000 im Jahr 1830 (Sachse 2002, S. 225). Die städtische Bebauung innerhalb des Walls verdichtet sich. Um die Mitte des 19. Jahrhundert verschärften sich soziale Probleme. Handwerkerfamilien konkurrierten mit der Industrie. Wanderarbeiter zogen vermehrt durch die Stadt. Die Unterschicht wuchs, ihr Auskommen wurde noch prekärer. Wohlfahrtsvereine, in denen Frauen eine (sozial)politische Rolle einnehmen konnten, organisierten Hilfe für die Armen. Am Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung schneller und war um 1900 bei 30.000 angekommen (Sachse 2002, S. 225). Eine klassenbewusste Arbeiterschicht in Mietskasernen außerhalb des Altstadtrings etablierte sich, während das Göttinger Bürgertum um Beamte und Gymnasialprofessoren erweitert ins Ostviertel zog. Die stadtbürgerliche Patronage, die die Göttinger Sozialverfassung seit dem Mittelalter geprägt hatte, wurde zunehmend durch die preußische Landesverfassung, die reichsweiten Sozialversicherungen und gewerkschaftliche Selbsthilfe überformt.

Literatur:

Sachse, Wieland (2002), Bevölkerungs- und Sozialgeschichte der Stadt Göttingen vom Dreissigjährigen Krieg bis zum Beginn der preußischen Zeit, in: Ernst Böhme/ Dietrich Denecke (Hg.), Göttingen – Geschichte einer Universitätsstadt Bd. 2: Vom Dreissigjährigen Krieg bis zum Anschluß an Preußen. Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648-1866), Göttingen, S. 217-254.

3 Gedanken zu „Göttingen.Sozial

  1. Richard Hölzl Autor

    Interessant für einige Leser ist vielleicht auch: „Protest vor Ort. Die 80er Jahre in Bremen und Göttingen“ von Sabine Horn, Inge Marszolek, Maria Rhode, Eva Schöck-Quinteros (Hg.) ist im Klartext Verlag Essen 2012 (mit Texten zu den Protesten gegen die Umwidmung des Kerstlingsröder Feldes zum Truppenübungsplatz, zu Hausbesetzungen und zur Anti-Atombewegung).

    Antwort
  2. Richard Hölzl Autor

    Ein Buch, dass das Thema dieses Blogs etwas erweitert ist:
    Karolin Wetjen, Das Globale im Lokalen: die Unterstützung der äußeren Mission im ländlichen lutherischen Protestantismus um 1900, Göttingen 2013.
    (mit zwei sehr lesenswerten Kapitel zur Missionsvereinen in Göttingen im ‚langen‘ 19. Jahrhundert).
    Als freier Download: http://univerlag.uni-goettingen.de/bitstream/handle/3/isbn-978-3-86395-118-4/Wetjen.pdf?sequence=1&isAllowed=y

    Antwort

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